Verfasser: Holodynski, Manfred

Titel: Die Entwicklung von Emotion und Ausdruck

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Ort: Bielefeld

Jahr: 2004

Abstract: Entwicklung, Emotionen, Ausdruck

Beschreibung: Inwiefern Emotionen des Menschen eher durch sein biologisches oder sein kulturelles Erbe bestimmt sind, ist eine kontrovers diskutierte Frage. Im Beitrag wird eine Entwicklungstheorie von Emotionen vorgeschlagen, die diese kontroversen Positionen zu überbrücken sucht. Dabei kommt den emotionalen Ausdruckszeichen in den Interaktionen zwischen Bezugspersonen und Kind eine herausgehobene Vermittlungsfunktion zu: Sie stellen die wesentlichen Kommunikationsmittel dar, mittels derer die Beteiligten insbesondere in der frühen Ontogenese ihre Emotionen kommunizieren. Dabei lässt sich zeigen, dass Ausdruckszeichen in wesentlichen Teilen nicht biologischen Ursprungs sind, sondern Produkt kulturgeschichtlicher Symbolbildungsprozesse, durch die Emotionen eine kulturspezifische Färbung annehmen.
Es werden drei Entwicklungsphasen beschrieben und anhand auch eigener empirischer Studien veranschaulicht: (1) Aus den stereotypen Vorläuferemotionen des Neugeborenen entstehen in den Bezugsperson-Kind-Interaktionen symbolvermittelte Emotionssysteme des Kleinkindes. Sie sind durch Ausdruckszeichen vermittelt, die für den jeweiligen kulturellen Kontext adaptiv sind und darauf zielen, die Handlungen der Bezugspersonen auszurichten. (2) Erst ab dem Kleinkindalter übernehmen Emotionen auch eine intrapersonale Funktion, nämlich die eigenen Handlungen motivdienlich auszurichten. (3) Ab dem Grundschulalter entsteht durch die Internalisierung der Ausdruckszeichen eine für Beobachter unzugängliche Gefühlswelt, die jedoch kulturellen Ursprungs ist. How far human emotions are shaped by their biological or cultural inheritance is a controversial issue. This article proposes a developmental theory of emotions that might bridge the gap between these two controversial positions. This theory considers that expression signs take on a major mediating function in the interactions between caregiver and child: They are the main means of interaction in early ontogenesis through which caregiver and child communicate their emotions and regulate their behavior interpersonally. It can be shown that many expression signs do not have a biological origin; they are a product of culture-historical processes of symbolization that color emotions in a culture-specific way.
This article describes three stages of emotional development: (1) The stereotypical precursor emotions of neonates are the starting point from which the symbolically mediated emotions of toddlers emerge. These emotions are already mediated by expression signs that are adaptive to the particular cultural context, but they still have an interpersonal regulation function (e.g., they are oriented toward triggering actions by the caregiver that will serve the child’s motives). (2) It is only after infancy that emotions take over an intrapersonal regulation function of triggering motive-serving actions by the child him- or herself. (3) From about the age of six years onward, expression signs start to become internalized, creating a private world of feelings that is no longer closely linked to overt expressions.

Datei: azif1td1.pdf

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